Trans* Day of Remembrance

Ein Gemeinschaftsprojekt der Trans* Vereine & -Initiativen Münchens

Alle Infos rund um den Trans* Day of Remembrance München auf einen Blick

Aktionen

In Zeiten von Corona müssen auch wir uns leider auf Online Aktionen beschränken. Aber dafür informieren wir umso mehr in den sozialen Medien und gedenken online.

  • Vom 16.-20.11.2020 informieren wir auf unserem Instagram @diversitymuenchen über Gewalt gegenüber trans*Personen, sichere Anlaufstellen, Stimmen aus der Community und unsere politischen Forderungen
  • Am 20.11.2020, dem Trans* Day of Remembrance, fordern wir dazu auf, ein Zeichen zu setzen und den Opfern von trans*feindlicher Gewalt über Social Media zu gedenken

TDOR 2020 Aufruf Kerzen

Unsere Politischen Forderungen

Wir fordern…

… geschlechtergerechte Toiletten in öffentlichen Gebäuden

Viele Menschen erleben regelmäßig Diskriminierung und Anfeindungen auf den in “Frau und Mann” unterteilten Toiletten. Binäre trans* Personen werden oft zurechtgewiesen, wenn sie die Toilette ihrer Geschlechtsidentität besuchen und Personen, die sich nicht im binären Geschlechtersystem wiederfinden, müssen auf jeder der beiden Toiletten mit Anfeindungen rechnen. Deshalb fordern wir geschlechtergerechte Toiletten in allen öffentlichen Gebäuden.

… mehr trans* Sichtbarkeit im Unterrichtsstoff und Sensibilisierung von Lehrer*innen zum Thema trans*

Das Thema trans* erfährt im privaten und öffentlichen Bereich immer wieder Exotisierung. Um dies zu verhindern fordern wir, trans* Lebensweisen in alltägliche Unterrichtsbeispiele und Schulbücher einzubinden. Des Weiteren fehlt Lehrer*innen oftmals das nötige Wissen, um sensibel mit trans* Kindern und Jugendlichen umzugehen. Deshalb müssen Fortbildungen geschaffen werden, welche den Lehrer*innen den Umgang mit dem Thema trans* erleichtern. So wird Kindern und Jugendlichen vermittelt, dass trans* zu sein etwas ganz Normales ist und trans* Schüler*innen werden leichter in die Schulgemeinschaft eingebunden.

… trans* inklusive Sexualaufklärung und Thematisierung geschlechtersensibler Sprache in der Schule

Wenn im Aufklärungsunterricht trans* Themen selbstverständlich mitbehandelt werden, fördert dies Akzeptanz und zeigt deutlich, dass diese an den Schulen eingefordert wird. Darüber hinaus hilft es auch den trans* Jugendlichen, zu verstehen, dass ihre Situation normal ist; es hilft ihnen, sich mit der eigenen Geschlechtsidentität auseinanderzusetzen. Wird das Thema nicht mitbehandelt, empfinden sich trans* Jugendliche nicht als normal und ihnen fehlt die notwendige Aufklärung zur Verhütung.

… Schulungen für die Polizei zum sensiblen Umgang mit trans* Personen und trans*feindlicher Gewalt

Immer wieder kommt es zu  trans*feindlicher Gewalt, die von Polizist*innen unsensibel gehandhabt, nicht ausreichend verfolgt oder selbst verübt wird. Schulungen zu diesem Thema erleichtern der Polizei den positiven Umgang mit trans* Personen und schafft seitens der trans* Personen ein größeres Vertrauen in die Polizei.

… eine trans* sensible Anlaufstelle bei der Polizei

Viele trans* Personen haben Berührungsängste mit der Polizei und vermeiden die Anzeige von Gewalt gegen die eigene Person. Durch Schaffung einer sensibilisierten Anlaufstelle für Gewalt gegen LGBTIQ*-Menschen können diese Berührungsängste abgebaut werden. Auch trans* Personen haben so eine sichere Anlaufstelle und wissen, dass sie dort respektiert und ernstgenommen werden.

… Entschädigungen für trans* und inter* Personen, an denen fremdbestimmte normangleichende Genitaloperationen durchgeführt wurden

Bis 2011 mussten sich trans* Personen für eine Personenstands- und Namensänderung sterilisieren lassen und “sich einem ihre äußeren Geschlechtsmerkmale verändernden operativen Eingriff” (§8 Abs. 1 TSG) unterziehen. Zum Glück ist dies heute nicht mehr der Fall. Doch an inter* Kindern werden auch heute noch irreversible, medizinisch nicht notwendige, normangleichende Zwangsoperationen durchgeführt. Dies ist eine Verstümmelung, und somit eine Menschenrechtsverletzung, die entsprechend entschädigt werden muss.

… das Ersetzen des „Transsexuellengesetztes“ durch ein Selbstbestimmungsgesetz

Das über 40 Jahre alte “Transsexuellengesetz” benötigt eine unumgängliche Reform. Eine Personenstands- und Namensänderung ist für viele trans* Personen essentiell, um einen diskriminierungsfreien Alltag zu gewährleisten. Allerdings sind mit dem Prozess hohe Kosten, ein langwieriges Gerichtsverfahren, sowie die Abhängigkeit von psychiatrischen Gutachten verbunden, wodurch vielen trans* Personen der Zugang zu diesen Änderungen erschwert wird. Ein Selbstbestimmungsgesetz würde einen niederschwelligen und selbstbestimmten Weg zum richtigen Personenstand und Namen schaffen, mit denen viele Hürden im Alltag abgebaut werden können.

.... den Zugang zu individuellen medizinischen Transitionswegen für trans* und nicht-binäre Personen

Die eigene Transition kann für jede trans* Person anders aussehen - sei es aus medizinischen oder persönlichen Gründen. Dennoch wird von den Krankenkassen häufig nur ein vorgeschriebener Weg übernommen. Die Krankenkassen stellen für viele Verfahren Bedingungen, die nicht von allen trans* Individuen gewünscht, nötig, oder gar sinnvoll sind, wie die für geschlechtsangleichende Operationen verpflichtende Hormontherapie. Durch diesen Umstand wird vielen trans* Personen der Zugang zu wichtigen Behandlungen verwehrt oder sie werden zu ungewollten Behandlungen gezwungen. Wir fordern deshalb, dass alle Krankenkassen, sowie der medizinische Dienst der Krankenkassen die diesbezüglich seit 2018 bestehenden S3-Leitlinien anerkennen und jeder trans* Person die Entscheidung über ihren persönlichen Transitionsweg offen lassen.

… Behandlungsrichtlinien für trans* Personen ohne Abhängigkeit vom therapeutischen Urteil 

Um Zugang zu medizinischen und rechtlichen Schritten der Geschlechtsangleichung zu erhalten, benötigen trans* Personen eine psychotherapeutische/psychiatrische Diagnose. Laut der S3-Leitlinie zur Geschlechtsinkongruenz, Geschlechtsdysphorie und trans* Gesundheit haben Therapeut*innen hierbei eine beratende Funktion und die Entscheidung über die zu ergreifenden Maßnahmen erfolgt in einem Konsens zwischen behandelnder und behandelter Person. Da viele Spezialist*innen jedoch zusätzlich zur S3-Leitlinie nach eigens bestimmten Kriterien handeln, verwehren sie trans* Personen in Einzelfällen den Zugang zur von ihnen gewünschten Behandlung. Viele trans* Personen haben folglich Angst, offen über ihre Sorgen und Bedenken zu sprechen, da sie befürchten müssen, dass ihnen ein solches Szenario bevorsteht. 

Eine Fremdbeurteilung der Geschlechtsidentität durch Außenstehende ist nicht möglich. Deswegen soll die Therapie ergebnisoffen und ohne Fremdbestimmung, wie in den S3-Leitlinien vorgesehen, durchgeführt werden.

… Abbau von struktueller Diskriminierung gegenüber trans* Personen

Zu Formen der Diskriminierung gegenüber trans* Personen gehören nicht nur verbale und physische trans*feindliche Gewalt, sondern auch Strukturen der Gesellschaft in denen trans* Personen nicht aktiv mitgedacht werden. Diese struktuelle Diskriminierung führt zu höheren Barrieren im Alltag, welche häufig verhamlost werden. So ist es für Betroffene selbst schwer, diese als Diskriminierung von außen zu erkennen und sich davor zu schützen. Die Gesellschaft ist verpflichtet, alle Menschen von Anfang an mitzudenken und in den Strukturen zu berücksichtigen - nicht erst auf Anfrage von Betroffenen.

Was kannst DU tun?

Der trans* Community zu helfen ist ganz einfach: sei offen und respektvoll. Jede*r von uns wünscht sich Akzeptanz, egal ob alleinerziehende Mutter, älterer Herr mit Liebe zum Stricken, trans* Person oder vieles mehr. Also behandle eure trans* Nachbar*innen so wie alle anderen auch - und falls ihr trotzdem Fragen habt, gibts hier noch ein paar Extratipps:

  • Namen und Pronomen: Akzeptiere den Namen und die Pronomen, mit denen sich die Person vorstellt. Hier ist es total okay nachzufragen, wenn man sich unsicher ist. Achte dabei aber auf die Grenzen der Person, indem du auf die Situation achtest. In Gruppensituationen kann so eine Frage zum Beispiel überfordernd sein.

  • Pronomen: Es ist wichtig nach den Pronomen zu fragen und sie nicht einfach zu vermuten. Stelle dich am besten selbst mit deinen Pronomen vor.

  • Angemessene Fragen stellen: Trans* Personen sind nicht dazu verpflichtet, Fragen zu beantworten. Um ihre Grenzen zu wahren achte auf die Situation und frag am besten, ob es gerade okay ist, Fragen zu stellen. Bist du dir unsicher ob eine Frage angebracht ist, schau doch erstmal, ob du im Internet eine Antwort findest.

  • Trans* inklusive Sprache: Häufig werden trans* Personen im Alltag nicht berücksichtigt. Dies sieht man stark in der Sprache. Achte darauf, dass deine Sprache sich nicht nur auf cis* Menschen beschränkt. Versuche gegenderte oder geschlechtsneutrale Sprache zu verwenden.

  • Outing: Es ist für viele Personen nicht einfach, sich zu outen. Gehe respektvoll damit um was die Person dir erzählt und nimm sie ernst. Hier ist es besonders wichtig, dass sie allein das Recht hat zu entscheiden wer wann davon erfährt. Oute die Person nicht vor anderen ohne ihre Erlaubnis.

  • Offen gegen Trans*feindlichkeit stehen: Es muss allen bewusst werden, dass Diskriminierung gegenüber trans* Personen nicht toleriert wird.Wenn du Diskriminierung mitbekommst stell dich klar dagegen.

  • Trans* Personen eine Stimme geben: Trans* Personen werden als Minderheit häufig übersehen. So ist es extrem wichtig, Räume zu schaffen, wo trans* Personen zu Wort kommen und nicht immer nur über sie geredet wird.