Politische Forderungen 2026
Unsere politischen Forderungen haben wir als selbstverwaltete Jugendorganisation gemeinsam mit queeren Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus München und ganz Bayern in einem partizipativen Prozess weiterentwickelt. Im Folgenden sind sie nach Bereichen getrennt aufgelistet.
Rechtliche Gleichstellung
Wir fordern die Regierungen auf, mit der vollständigen rechtlichen Gleichstellung queerer Personen die Voraussetzungen auch für eine vollständige gesellschaftliche Gleichstellung zu schaffen.
Insbesondere fordern wir die Bundesregierung auf,
- den Diskriminierungsschutz im Grundgesetz um die sexuelle und geschlechtliche Identität zu erweitern.
- das Selbstbestimmungsgesetz in aktueller Form beizubehalten und keine Änderungen vorzunehmen, die die Rechte von Trans* Personen weiter einschränken.
- das Abstammungsrecht umfassend zu modernisieren und dabei insbesondere
- die Eintragung zweier „Eltern(teile)“ in der Geburtsurkunde, anstatt von „Mutter“ und „Vater“, zu ermöglichen.
- die Ehefrau einer werdenden Mutter automatisch (ohne aufwendige Stiefkindadoption) als Mutter anzuerkennen.
- Mehrelternschaft zu erlauben.
- Die Rehabilitierung der nach § 175 Verurteilten uneingeschränkt durchzuführen
- die strukturelle Benachteiligung von queeren Personen (bspw. Gay Wage Gap) stärker zu untersuchen und Maßnahmen gegen sie zu treffen.
Weiterhin fordern wir die die bayerische Staatsregierung auf,
- Die Meldung von früheren Vornamen und Geschlechtseinträgen bei An- und Abmeldungen und Nutzung des SBGG nicht mehr an das Landeskriminalamt zu übermitteln.
- die Verfolgung aufgrund der sexuellen oder geschlechtlichen Identität ausnahmslos als Flucht-/ Asylgrund anzuerkennen und queere Geflüchtete (z. B. in Unterkünften) besonders zu schützen.
- mit der Community entwickelte Fortbildungen gegen behördliche Diskriminierung flächendeckend zu etablieren und in der Ausbildung von Staatsbediensteten zu verankern.
Gesellschaft
Für eine offene, demokratische und vielfältige Gesellschaft braucht es nicht nur politische Maßnahmen, sondern auch eine entsprechende Haltung von Unternehmen, zivilgesellschaftlichen Organisationen und jeder einzelnen Person.
Daher fordern wir die bayerische Staatsregierung auf,
- das Genderverbot in allen bayerischen staatlichen Einrichtungen abzuschaffen
- “Aktionsplan queer” nach Vorschlägen der queeren Community anzupassen und landesweit umzusetzen.
- queere Beratungsstellen flächendeckend zu etablieren und finanzieren.
Außerdem fordern wir von der Stadt München
- eine langfristige Sicherung der finanziellen Unterstützung aller
queerer Einrichtungen. - geschlechtergerechte Toiletten in öffentlichen Gebäuden.
- Intersektionalität, also Überschneidungen von Queerness mit Themen wie Geschlechtergerechtigkeit, migrantischen Biografien, People of Color, soziale Herkunft, Religion, Fluchterfahrungen, Rosa im Alter, und jegliche Arten von Behinderung anzuerkennen und aktiv mitzudenken.
Besonders fordern wir alle auf,
- sich gegen Diskriminierung aller Art innerhalb der Community zu stellen.
- Queerness nicht als Modeerscheinung sondern als reelle Lebensweise anzuerkennen.
- Jugendliche als Expert*innen ihrer eigenen Lebensrealität anzuerkennen und sie konsequent in alle Entscheidungen in Einrichtungen, Trägern und Kommunen einzubeziehen.
Gesundheit
Wir fordern die Bundesregierung auf, die eklatante Unterversorgung und Benachteiligung queerer Personen in/bei der Gesundheitsversorgung umfassend zu evaluieren und Gegenmaßnahmen zu treffen. Insbesondere fordern wir
- einen unbeschränkten, selbstbestimmten und kostenlosen Zugang zu geschlechtsangleichenden medizinische Maßnahmen, insb. Hormonersatztherapie und geschlechtsangleichende Operationen für alle trans*, nicht-binären und inter* Personen sicherzustellen.
- eine Kostenübernahme von Maßnahmen für Kinderwünsche bei gleichgeschlechtlichen Paaren durch die Krankenkassen.
- sogenannte „Konversionstherapien“ vollständig zu verbieten.
- queere Lebensrealitäten sowie diskriminierungskritische Haltung in der Aus- und Weiterbildung von medizinischem und psychologischem Fachpersonal strukturell zu verankern.
- Entstigmatisierung von Trans*identität als Persönlichkeitsstörung durch zügige Einführung des ICD-11
- Eine Verankerung von queeren Themen in medizinischen Ausbildungen.
Schule
Wir fordern die bayerische Staatsregierung auf, unter Beteiligung von Communitystrukturen auf Augenhöhe, ein umfassendes Konzept zur Verhinderung queer-feindlicher Diskriminierung und Berücksichtigung queerer Perspektiven im Handlungsfeld Schule zu erarbeiten. Insbesondere fordern wir
- die Einrichtung geschlechtsneutraler Toiletten an jeder Schule.
- das Respektieren von selbstgewählten Namen, Pronomen und Geschlecht bei Schüler*innen.
- die Anpassung von selbstgewähltem Namen und Geschlechtseintrag in schulischen Dokumenten, wie zum Beispiel Klassenlisten oder Zeugnissen.
- die strukturelle Verankerung queerer Themen im Lehrplan (z. B. in den Fächern Biologie, Deutsch, Englisch, Geschichte, Politik).
- die Verankerung queerer Lebensrealitäten sowie von Maßnahmen zum
Umgang mit (intersektionaler) Diskriminierung in der Aus- und Weiterbildung von Lehrer*innen. - die Einrichtung einer Beratungsstelle für Schulen, mit der personellen
Ausstattung die konkrete Umsetzung des Maßnahmenplans in den
Schulen zu unterstützen. - die Einrichtung einer unabhängigen, von der Staatsregierung finanzierten Beschwerde- und Beratungsstelle für Schüler*innen, Eltern und Lehrer*innen.
- die bedarfsgerechte, langfristige Förderung queerer Aufklärungsprojekte durch das Land. Vor allem muss die Finanzierung von Aufwandsentschädigungen für ehrenamtliche Referent*innen sichergestellt werden.
- einen TINQ*-Leitfaden für alle bayerischen Schulen auszuarbeiten.
Jugendhilfe
Wir fordern die Kommunen und die bayerische Staatsregierung auf, queere Jugendliche und junge Erwachsen als besonders von Queerfeindlichkeit betroffene Gruppe mit eigenen Bedarfen anzuerkennen und der Jugendhilfe als staatliche Aufgabe auch gegenüber queeren Jugendlichen und jungen Erwachsenen nachzukommen. Insbesondere fordern wir
- die bayerische Landesregierung auf, eine Kompetenzstelle für die Bedarfe queerer Personen in der Jugendhilfe einzurichten.
- die Kommunen auf, niederschwellige Angebote für queere Jugendliche und junge Erwachsene in den bereits bestehenden Strukturen der offenen Kinder- und Jugendhilfe auch im ländlichen Raum anzubieten.
- die Kommunen auf, betreute Wohnformen, Unterkünfte und Schutzstellen für queere Jugendliche und junge Erwachsene zu schaffen, bzw. die bereits existierenden Institutionen LGBTIAQ*-sensibel umzugestalten.
- die Kommunen auf, die Wohnungsnot queerer Jugendlicher und junger Erwachsener, die Aufgrund ihrer Marginalisierung mehrfach belastet sind, durch mehr LGBTIAQ*-Wohnprojekte zu lindern.
Communitystrukturen und offene Kinder- und Jugendarbeit
Wir fordern die Kommunen, die bayerische Staatsregierung und die Bundesregierung auf, queere Strukturen und Angebote endlich bedarfsgerecht und nachhaltig zu finanzieren. Insbesondere fordern wir
- die Landeshauptstadt München auf, bei den Kürzungen im Sozialhaushalt nicht an queeren Einrichtungen zu sparen, sowie die Finanzierung an die aktuelle Inflation und steigende Bedarfe anzupassen, um einen drohenden Wegfall von Angeboten zu verhindern.
- die Landesregierung auf, Finanzierung von queeren Communitystrukturen aufzunehmen und Kommunen bei der Einrichtung von queeren Zentren finanziell zu unterstützen.
- die Anpassung von Förderrichtlinien, sodass auch ehrenamtlichen Peer-Expert*innen angemessene Aufwandsentschädigungen gezahlt werden können.




